Flipped Classroom - Umgedrehter Unterricht

Umgedrehter Unterricht

Flipped Classroom

Mit der wirksamen Methode den Unterricht planen und Lernziele erreichen

Eine beliebte Blended Learning Methode ist der „Flipped Classroom“. Das Besondere am Flipped Classroom ist, dass der klassische Lernprozess umgedreht wird. Wie das genau aussieht und welche Vorteile das für Schüler und Azubis bietet, erfahren Sie in diesem Artikel. 

Flipped Classroom Definition: Worum geht es genau?

„To flip“ bedeutet umdrehen  Flipped Classroom bedeutet übersetzt „Umgedrehter Klassenraum“ oder “Umgedrehter Unterricht” und bezieht sich auf die Art, wie gelernt wird. Oft erfolgt Wissensvermittlung in der folgenden Reihenfolge: Theorie lernen im Unterricht – Gelerntes zu Hause anwenden. Der Flipped Classroom dreht dieses Vorgehen um. 

 Die Lernenden bereiten sich individuell und selbstständig mit Hilfe von digitalen Lernmedien vor. Im anschließenden Präsenzunterricht können die Lernenden ihr Wissen in der Praxis testen, vertiefen und anwenden. So wird mehr Zeit für das gemeinsame Üben und Lernen im praktischen Unterricht gewonnen. 

Whitepaper: Flipped Classroom – zukunftssicher und wirksam Wissen vermitteln

In unserem umfangreichen Whitepaper zu Flipped Classroom erfahren Sie alles, was sie zum umgedrehten Unterricht wissen müssen. Wir stellen Methoden, Konzepte und Modelle vor sowie konkrete Umsetzungsmöglichkeiten.

Das Flipped Classroom Konzept im Überblick

Flipped Classroom Konzept

Ziel und Intention eines FlippedUnterrichtes ist es, mehr Zeit in der Präsenzphase zu gewinnen, um an höheren Lernzielen zu arbeiten. 

Höher orientiert sich dabei z.B. an der Lernziel-Taxonomie von Bloom. Benjamin Bloom war amerikanischer Psychologe und Erziehungswissenschaftler und hat 1956 diese Kategorisierung von kognitiven Lernzielen in einer Pyramide abgebildet. Dabei gilt: Je höher ein Lernziel in der Pyramide steht, desto schwieriger ist es zu erreichen und benötigt mehr Zeit und Anstrengung.  

So geht es auf der ersten und unteren Stufe „Erinnern“ rein darum, etwas korrekt wiedergeben zu können. So kann der Lernende z.B. eine Definition oder eine mathematische Formel wie den Satz des Pythagoras aufsagen.  

Auf der Stufe „Anwenden“ ist das Lernziel, dass Lernende/Azubis das Wissen anwenden können. Für die mathematische Formel bedeutet dies, konkrete Aufgaben richtig rechnen zu können. 

Bei dem traditionellen Modell werden die Lernziel-Taxonomien „Erinnern und Verstehen“ in der Präsenzphase vermittelt. Die höheren Lernziele streben die Lernenden eigenständig (z. B. in Form von Hausaufgaben) an. Der Nachteil: Gerade jetzt steht kein:e Lehrer:in/Ausbilder*in oder eine Lerngruppe zur Verfügung, um Fragen zu stellen und gemeinsam an Lösung zu arbeiten.  

Beim FlippedClassroomModell wird dieser Ansatz jetzt auf den Kopf gedreht (daher auch der Name). Die Lernenden/Azubis bereiten sich auf den beiden Lernziel-Ebenen „Erinnern“ und „Verstehen“ eigenständig vor mit passenden E-Learning Einheiten. In der Präsenz-Phase wird das Wissen dann angewendet oder gar in Projekten ganz Neues erschaffen. 

Flipped Classroom Methode Schaubild Infograrfik

Welche Vorteile bietet Flipped Classroom für Schüler und Azubis?

Die Schüler arbeiten hier z.B. in Gruppen zusammen und können sich gegenseitig helfen. Zudem stehen Lehrende/Ausbilder zur Verfügung, um beim Anwenden des Gelernten zu unterstützen. Wie Hofmann/Löhe (Erfolgreich Lernen, Göttigen: Hogrefe, 2012, S. 31 f) es ausdrücken: Anstelle vom Assoziativlernen („Auswendiglernen“) findet ein Verarbeitungslernen statt. 

Das Erreichen höherer Lernziele erfordert neben Motivation und Ausdauer vor allem auch eins: mehr Zeit. Der Ansatz des Flipped Classroom hilft also, dass Schüler sich eigenständig in ihrem Tempo vorab mit den Inhalten auseinandersetzen, so dass diese Inhalte nicht mehr in der Präsenzzeit vermittelt werden müssen.

Die Vorteile auf einen Blick:

Unabhängigkeit von Ort und Zeit

  • Am Schreibtisch, auf der Couch, in Bus und Bahn – morgens zur Frühstückszeit, kurz nach der Mittagspause oder im Feierabend: Ein mobiles Endgerät plus Internetzugang genügen, um Neues zu lernen. 

Mit Medien motivieren

Die methodisch-didaktisch sinnvolle Kombination aus verschiedenen digitalen Lernmedien und analogen Präsenzphasen transportiert komplexe Themenbereiche verständlich und praxisorientiert.  

Individuell fördern

Unterschiedliche Lernniveaus oder Lerntypen können spezifisch dem jeweiligen Wissenstand entsprechend angesprochen und motiviert werden. So kann jeder Lernende im eigenen Tempo lernen.

Digital lernen und praxisnah bleiben

Simulationen und Virtual- oder Augmented Realtity stellen Prozesse und Materialien häufig sichtbarer und tiefer dar als reale Lernsituationen. Die Haptik von Materialien und Werkzeugen sowie das Bedienen von Maschinen muss jedoch individuell erlebt werden, um Wissen und damit Kompetenzen aufzubauen. 

Persönlicher Kontakt

Der „Faktor Mensch“ bleibt in der Wissensvermittlung ein wichtiger und entscheidender Faktor. Die Erfahrung, die Expertise von Ausbilder:innen und der direkte Austausch untereinander haben einen hohen Stellenwert im Lernprozess. 

Teamspirit

Das gemeinsame Erarbeiten, Erleben und Erfassen von neuen Themenbereichen schafft eine soziale Dynamik, die für das gemeinsame Arbeiten und Erreichen von Zielen enorm wichtig ist. 

Flipped Classroom: Umsetzung für die Ausbildung mit der eCademy App

Cornelsen eCademy ist der führende Anbieter im Bereich e-Learning für die betriebliche Ausbildung. In der eCademy App können Sie als Ausbilder*in hierbei vor allem auf die Funktion der Lernlisten setzen. 

So setzen Sie damit einen Rahmen und geben Struktur, welche Inhalte bis zur Präsenzphase bearbeitet werden und auch, welche Art von Lernergebnis (z. B. eine Kurzzusammenfassung der Inhalte, ein erfolgreicher Test) erreicht werden sollen. Mehr Information zu unserer Lernplattform finden Sie hier.

Flip the Classroom - Methode: Neue Möglichkeiten, neue Herangehensweisen

Flipped Classroom stellt Lernende/Azubis und Ausbilder:innen vor verschiedene, teils neue Herausforderungen. Lehrende werden vom primär dozierenden Wissensvermittler zum begleitenden Coach und können sich breiter aufstellen, um Themen ganzheitlich darzustellen und zu bearbeiten 

Auszubildende sind keine passiven Wissensempfänger, sondern setzen sich eigenverantwortlich und selbstbestimmt mit Lehrmaterialien auseinander. Dafür stehen ihnen ausgewählte digitale Lernmedien zur Verfügung, die sie nach eigenem Ermessen unabhängig von Ort und Zeit nutzen können, um so die Lerninhalte zu verinnerlichen.  

Online-Phase: Was sollten Sie beachten?

Die Erfahrung zeigt, dass Videos im Lernprozess besonders gut angenommen werden. Kombiniert mit Bildmaterialien und Audiodateien und ggf. weiterführenden PDF-Dokumenten sind die Lernenden gut aufgestellt. Zudem gibt es beispielsweise die folgenden Möglichkeiten: 

Weitere Medienformate

  • Bildergalerien
  • Fallbeispiele
  • Glossareinträge
  • Infografiken
  • Podcasts
  • Quiz

Präsenz-Phase: Wie sieht Lernen im Präsenzunterricht aus?

Geht es um die Anwendung, Analyse und Evaluation der Lerninhalte, sind die praktische Auseinandersetzung mit haptischem Erleben, das gemeinsame Bearbeiten von gestellten Aufgaben oder Transferübungen mit Diskussionsteilen bewährte Möglichkeiten. Um die aktive und gemeinsame Auseinandersetzung mit den Themen in der Präsenzphase zu unterstützen, funktionieren auch: 

Weitere Formate

  • Fragerunden
  • Brainstormings
  • Demonstrationen
  • Präsentationen
  • Projektarbeiten oder Rollenspiele
  • klassische Übungsaufgaben

Die konkrete Umsetzung hängt zu einem großen Teil auch von den gewählten Lernzielen und Inhalten ab. Die praxisorientierte Wissensvermittlung im technisch-gewerblich-technischenen Bereich sieht erfahrungsgemäß anders aus als die Theorievermittlung bei Grundlagenwissen. 

Einige Tipps zur Umsetzung des Flipped Learning

1

Ein gelungener Start.

Starten Sie in die Präsenzphase nicht mit einer Wiederholung der Inhalte aus dem E-Learning. So werden Ihre Lernenden/Azubis denken, dass die Inhalte eh wiederholt werden und sich weniger vorbereiten. 

2

Gelerntes reflektieren.

Lassen Sie stattdessen ihre Lernenden/Azubis kurz zu Beginn untereinander das Gelernte reflektieren.  

3

Struktur hilft.

Binden Sie das E-Learning in konkrete Aufgaben und eine Struktur ein. So helfen Sie beim selbstständigen und selbstorganisierten Lernen. 

Praxistipp: Testmöglichkeiten nutzen

Nutzen Sie die Testmöglichkeiten innerhalb von eCademy. So kann jeder Azubi selbst sehen, ob sie/er die Inhalte schon verstanden hat. 

Ausführlichere Tipps und konkrete Anwendungsbeispiele finden Sie in unserem kostenlosen Whitepaper zum Thema.

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