Digitale Bildung

Elektronische Prüfungen  : Chancen und Herausforderungen

Elektronische Prüfungen  : Chancen und Herausforderungen

e-Prüfungen

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Die Digitalisierung hat längst Einzug in den Alltag von Auszubildenden gehalten. Das Lernen hat sich grundlegend verändert. Laut einer Studie der AWA, suchen Lernende ihre Informationen mehrheitlich im Internet (71%), statt in Bibliotheken (13,6%).

Cloud-Systeme, VPN-Netzwerke und Lernsoftware haben zur Vereinfachung des Informationsaustausches beigetragen. Auszubildende, Ausbilder und Prüfer können orts- und zeitunabhängig bequem miteinander kommunizieren und so nach individuellen Fortschritten lernen und lehren. Warum sollte der Wandel also vor Prüfungen Halt machen? Sind Prüfungen auf Papier überhaupt noch zeitgemäß? Die Chancen und Herausforderungen von e-Prüfungen als digitale Variante sollen anhand der folgenden Punkte beleuchtet werden.

  • Was ist eine elektronische Prüfung?
  • Vorteile und Herausforderungen digitaler Prüfungen im Lernprozess
  • Anforderungen an elektronische Tests
  • Was wird für e-Prüfungen benötigt?
  • Ausblick

Was ist eine elektronische Prüfung?

Elektronische Prüfungen – auch e-Prüfungen, digitale Prüfungen, elektronische Klausuren oder elektronische Tests genannt – sind Prüfungen, die auf digitaler Basis funktionieren. Sie dienen zur Wissensüberprüfung, mit dem Unterschied, dass bei der Durchführung digitale Geräte eingesetzt werden (z. B. Tablet oder PC). Die Prüflinge tauschen also Stift und Papier gegen Tastatur und Maus.

Vorteile und Herausforderungen digitaler Prüfungen im Lernprozess

Die Vorteile von e-Prüfungen liegen vor allem in den folgenden Bereichen:

  •   Aufgabentypen: Vielfältig und abwechslungsreich (Audio, Video, Bilder, etc.)
  •   Direktes Feedback
  •   Echtzeit simulieren
  •   Geringere Fehleranfälligkeit
  •   Reporting: Ergebnisse immer im Blick und vergleichbar

 

Direktes Feedback ist vor allem durch die rasche Auswertung der Testergebnisse möglich. Multiple Choice-Aufgaben können zum Beispiel von einer Software ausgelesen werden, die die Ergebnisse anschließend automatisch erläutert. Doch der Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln kann auch dazu beitragen, die Qualität der Prüfungsfragen zu verbessern. So sind beispielsweise ausführlichere Bildfragen denkbar, bei denen der Prüfling sich mehrere Abbildungen ansehen und dazu Fragen beantworten muss. Am PC ist es möglich, Bilder zu vergrößern und sich bestimmte Bereiche genauer anzusehen – Möglichkeiten, die es auf Papier nicht gibt. Gleiches gilt für die Integration von Audio- oder Videodateien.

Außerdem könnten Prüfungen mit einem Zeitlimit versehen werden. Die Simulation einer echten Prüfungssituation kann eine hilfreiche Vorbereitung für die Lernenden sein, um eigenständig das Aufgabenpensum mit der zur Verfügung stehenden Zeit abzugleichen. e-Prüfungen lassen so gut wie keine Fehler in der Auswertung zu, da z. B. handgeschriebenes nicht erst entziffert werden muss. Auf Grund detaillierter Reportings der Testergebnisse, können einzelne Fragen oder Fragetypen ausgewertet, verglichen und analysiert werden und so auch verändert und verbessert werden.

Der Einsatz von e-Prüfungen birgt auch Herausforderungen. Vor allem in den folgenden Bereichen:

Die Durchführung einer e-Prüfung in der Praxis bedarf einiger Vorbereitung. Zum Beispiel muss die Hard- und Software angeschafft werden. Hier existieren Modelle bei denen Geräte geliehen werden können oder Auszubildende ihr eigenes Gerät mitbringen (engl.: „Bring Your Own Device“).

Darüber hinaus darf sich aus dem Einsatz der neuen Technologie kein Nachteil ergeben, weil der Umgang mit der Software nicht ausreichend vermittelt wurde, sie Fehler birgt oder die Auszubildenden zu langsam agieren. Auch Ausbilder und Prüfer müssen eine ausreichend hohe digitale Kompetenz mitbringen. Hinzu kommen Fragen im Bereich der Sicherheit. Prüfungsergebnisse und damit verbundene Leistungsdaten der Auszubildenden müssen unbedingt sicher verwahrt werden.

Anforderungen an elektronische Tests

Im Grunde gelten für e-Prüfungen die gleichen Anforderungen und Qualitätsmerkmale wie für traditionelle Prüfungen auch. Das heißt, die Fragen sollten verständlich gestellt und möglichst eindeutig formuliert werden, so dass es nicht zu Missverständnissen kommt.
Doch zusätzlich zu den inhaltlichen Merkmalen einer guten und angemessenen Prüfung gesellen sich bei den e-Prüfungen noch andere wichtige Faktoren. Diese umfassen vor allem die Bedienung der Software. Sie sollte so einfach und intuitiv wie möglich sein, damit jeder Prüfling damit schnell zurechtkommt. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die Software absolut zuverlässig und fehlerfrei arbeitet. Antworten oder Eingaben dürfen keinesfalls verschwinden. Genauso wenig darf es möglich sein die Software – auf welche Art und Weise auch immer – zu manipulieren. Im Vordergrund stehen zusammengefasst also folgende Punkte:

  • Digitale Kompetenz der Lehrenden und Lernenden
  • Einfache, intuitive Bedienung
  • Absturzsicherheit, Schutz gegen Systemfehler
  • Zuverlässige, fehlerfreie Auswertung und Speicherung
  • Schutz vor Manipulation

Was wird für e-Prüfungen benötigt?

Grundsätzlich muss hier zwischen Hard- und Software unterschieden werden. Jeder Prüfling benötigt ein digitales Endgerät als Arbeitsplatz. Für welche Lösung Sie sich hier entscheiden hängt von der Art der Prüfung ab. Lange Texte schreiben sich auf einem Tablet erfahrungsgemäß schwierig. Außerdem ist häufig die Bildschirmgröße nicht ausreichend. Die Hardware kann entweder geliehen oder von der Einrichtung gekauft werden. Hier spielt der Kostenfaktor natürlich eine große Rolle.
Ein Modell, dass die finanzielle Belastung reduzieren kann, ist das bereits erwähnte Bring-Your-Own-Device-Modell. Hierbei bringen die Prüflinge die Hardware selbst mit und können sich dann auf die entsprechende Prüfungsplattform einloggen.
Der zweite Baustein ist die Software. Diese wird meist von einem Dienstleister, also einer Prüfungsplattform zur Verfügung gestellt. Häufig ist eine entsprechende Absicherung gegen Viren und Hackerangriffe bereits implementiert. Nichtsdestotrotz ist es ratsam die Betriebssysteme der Computer aktuell zu halten und sich professionellen Rat bezüglich der Installation einer Firewall einzuholen.

Ausblick

Schon heute lernen Auszubildende überwiegend digital und e-Prüfungen gehören bald zum Standard. Vor allem an Universitäten und Hochschulen werden bereits viele Studierende mittels elektronischer Klausuren geprüft. Diese Art des Prüfungssystems wird auch in der betrieblichen Ausbildung immer relevanter. Die Durchführung von elektronischen Tests und Prüfungen birgt im Hinblick auf Prüfungsqualität und Fragenvielfalt große Chancen und hilft Ressourcen einzusparen. Die Umsetzung bedarf allerdings einiger Investitionen und Sicherheitsvorkehrungen innerhalb der Prüfungsordnung, damit die Prüfungen fair und die digitalen Ergebnisse und Daten sicher bleiben.

Svenja Hermesdorff studiert Intermedia an der Universität zu Köln. Seit Oktober 2019 unterstützt sie als Werkstudentin das Team von Cornelsen eCademy.